Formelsammlung

Kennzahlen, Rechenwege und Merkregeln aus den Übungsklausuren.

Bilanzkennzahlen

HF 1

Kapitalstruktur, Anlagendeckung und Vermögensstruktur (Übungsklausur HF 1, Aufgabe 23).

Eigenkapitalquote

EK-Quote=EigenkapitalGesamtkapital× 100
Je höher, desto unabhängiger und krisenfester.

Fremdkapitalintensität (Fremdkapitalquote)

FK-Intensität=FremdkapitalGesamtkapital× 100

Fremdkapital = Rückstellungen + Verbindlichkeiten (+ passive Rechnungsabgrenzung). EK-Quote + FK-Quote = 100 %.

Verschuldungsgrad

Verschuldungsgrad=FremdkapitalEigenkapital× 100

Anlagenintensität

Anlagenintensität=AnlagevermögenGesamtvermögen× 100

Vorratsquote

Vorratsquote=Vorräte (Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe, Waren, Erzeugnisse)Gesamtvermögen× 100

Deckungsgrad I (Goldene Bilanzregel)

Deckungsgrad I=EigenkapitalAnlagevermögen× 100
Goldene Bilanzregel: ≥ 100 % – das Anlagevermögen ist vollständig durch Eigenkapital gedeckt.

Deckungsgrad II (Silberne Bilanzregel)

Deckungsgrad II=Eigenkapital + langfristiges FremdkapitalAnlagevermögen× 100

Langfristiges FK: Darlehen, Hypotheken, langfristige (Pensions-)Rückstellungen.

Silberne Bilanzregel: ≥ 100 % – langfristig gebundenes Vermögen ist langfristig finanziert.

Liquidität & Cashflow

HF 1

Zahlungsfähigkeit und Innenfinanzierungskraft.

Liquidität 1. Grades (Barliquidität)

Liquidität I=Flüssige Mittel (Kasse + Bank)Kurzfristige Verbindlichkeiten× 100
Faustregel: ≥ 20 %

Liquidität 2. Grades (einzugsbedingte Liquidität)

Liquidität II=Flüssige Mittel + kurzfristige ForderungenKurzfristige Verbindlichkeiten× 100
Faustregel: ≥ 100 %

Liquidität 3. Grades (umsatzbedingte Liquidität)

Liquidität III=UmlaufvermögenKurzfristige Verbindlichkeiten× 100
Faustregel: ≥ 150–200 %

Cashflow (vereinfacht)

Cashflow = Jahresüberschuss
+ Abschreibungen
+ Zunahme langfristiger Rückstellungen
− Abnahme langfristiger Rückstellungen

Zeigt, wie viel Geld aus eigener Kraft für Investitionen, Tilgung und Entnahmen erwirtschaftet wurde.

Rentabilität

HF 1

Verzinsung des eingesetzten Kapitals und Umsatzrendite.

Eigenkapitalrentabilität

EK-Rentabilität=GewinnEigenkapital× 100

Bei Einzelunternehmen ggf. Gewinn abzüglich kalkulatorischem Unternehmerlohn.

Gesamtkapitalrentabilität

GK-Rentabilität=Gewinn + FremdkapitalzinsenGesamtkapital× 100
Leverage-Effekt: Liegt die GK-Rentabilität über dem FK-Zins, steigert zusätzliches Fremdkapital die EK-Rentabilität.

Umsatzrentabilität

Umsatzrentabilität=GewinnUmsatzerlöse× 100

Buchführung & Bewertung

HF 1

Abschreibung, Anschaffungskosten, Umsatzsteuer, Rückstellungen und Abgrenzung.

Anschaffungskosten

AK = Kaufpreis (netto)
+ Anschaffungsnebenkosten (z. B. Firmenschriftzug, Montage, Fracht)
+ nachträgliche Anschaffungskosten
− Anschaffungspreisminderungen (Rabatt, Skonto)

Die Vorsteuer gehört nicht zu den Anschaffungskosten. Selbständig nutzbare Teile (z. B. separates LED-Band) gehören nicht dazu.

Beispiel: 14.900 € + 155 € + 420 € = 15.475 € (HF 1, Aufg. 21a)

Linearer Abschreibungssatz

AfA-Satz=100 %Nutzungsdauer (Jahre)
Beispiel: 100 % / 13 Jahre = 7,6923 %

Linearer Abschreibungsbetrag

AfA-Betrag = Anschaffungskosten × AfA-Satz

Im Anschaffungsjahr zeitanteilig (pro rata temporis, monatsgenau).

Beispiel: 15.475 € × 7,6923 % = 1.190,38 € pro Jahr (HF 1, Aufg. 21b)

Restbuchwert

Buchwert = Anschaffungskosten − kumulierte Abschreibungen
Anlagevermögen: gemildertes Niederstwertprinzip – bei dauerhafter Wertminderung MUSS auf den niedrigeren Tageswert abgeschrieben werden (außerplanmäßige Abschreibung). Umlaufvermögen: strenges Niederstwertprinzip.
Beispiel: 15.475 € − 1.190,38 € = 14.284,62 €; Tageswert 12.500 € → außerplanmäßige AfA 1.784,62 €

Abschreibung auf den Restbuchwert (degressiv)

AfA = Restbuchwert × Abschreibungssatz
Beispiel: Fuhrpark: (10.000 € + 5.000 €) × 20 % = 3.000 € (HF 1, Aufg. 27.5)

Netto aus Brutto

Netto=Brutto1,19

Umsatzsteuer = Brutto − Netto = Netto × 19 % (ermäßigt 7 %: ÷ 1,07)

Beispiel: 2.142 € ÷ 1,19 = 1.800 € netto + 342 € Vorsteuer

Rohstoffverbrauch (Inventurmethode)

Verbrauch = Anfangsbestand + Zugänge − Endbestand (lt. Inventur)
Beispiel: 7.000 € − 1.300 € = 5.700 € → 4000 an 3000

Auflösung einer Rückstellung

Rechnung (netto) > Rückstellung → Differenz = Aufwand (9000)
Rechnung (netto) < Rückstellung → Differenz = Ertrag (9050)
Beispiel: Rückstellung 6.300 €; Rechnung 7.040 € netto → 740 € Aufwand; Rechnung 5.500 € netto → 800 € Ertrag

Zeitliche Abgrenzung (vier Fälle)

Ausgabe jetzt, Aufwand später → aktive RAP (0930)
Einnahme jetzt, Ertrag später → passive RAP (0940)
Aufwand jetzt, Ausgabe später → sonst. Verbindlichkeit (1690)
Ertrag jetzt, Einnahme später → sonst. Forderung (1430)
Beispiel: Kfz-Versicherung 540 € am 01.12. für 6 Monate → 5/6 = 450 € aktive RAP

Die vier Bilanzfälle

Aktivtausch: 1000 Kasse an 1100 Bank
Passivtausch: 1600 Verb. LuL an 0710 Darlehen
Bilanzverlängerung: 3000 Rohstoffe an 1600 Verb. LuL
Bilanzverkürzung: 1600 Verb. LuL an 1100 Bank

Markt & Marketing

HF 2

Marktgrößen aus der Standort- und Wettbewerbsanalyse (HF 2, Aufgabe 24).

Marktpotenzial

Marktpotenzial = Einwohner im Einzugsgebiet × Ø Branchenumsatz je Einwohner

Maximal mögliche Aufnahmefähigkeit des Marktes.

Beispiel: 50.000 × 55 € = 2.750.000 €

Marktvolumen

Marktvolumen = Summe der tatsächlichen Umsätze aller Anbieter
Beispiel: 390.000 + 320.000 + 240.000 + 190.000 = 1.140.000 €

Marktanteil

Marktanteil=Eigener UmsatzMarktvolumen× 100
Beispiel: 390.000 € / 1.140.000 € × 100 = 34,21 %

Freies Marktpotenzial

Freies Potenzial = Marktpotenzial − Marktvolumen
Beispiel: 2.750.000 € − 1.140.000 € = 1.610.000 €

Steuern

HF 2

Einkünfteermittlung nach EStG und wichtige Grenzen.

Die 7 Einkunftsarten (§ 2 EStG)

Gewinneinkünfte: 1. Land- und Forstwirtschaft 2. Gewerbebetrieb 3. Selbständige Arbeit
Überschusseinkünfte: 4. Nichtselbständige Arbeit 5. Kapitalvermögen 6. Vermietung & Verpachtung 7. Sonstige Einkünfte (§ 22)
Beispiel: Kommanditist → Gewerbebetrieb; Winzer, Imker → Land- und Forstwirtschaft; Hebamme, Architekt → selbständige Arbeit

Summe der Einkünfte

Summe der Einkünfte = Σ Einkünfte aller Einkunftsarten (horizontaler + vertikaler Verlustausgleich)

Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften dürfen nur mit Gewinnen derselben Art verrechnet werden. Kapitalerträge bis zum Sparer-Pauschbetrag (1.000 €) bleiben steuerfrei (Abgeltungsteuer).

Beispiel: Nielsen: 29.000 + 19.000 − 980 + 0 + 0 = 47.020 €

Bewirtungskosten

Abziehbare Betriebsausgabe = 70 % der angemessenen Bewirtungskosten

Bewirtung von Geschäftspartnern; 30 % sind nicht abziehbar.

Buchführungspflicht (§ 141 AO / § 241a HGB)

Umsatz > 800.000 € oder Gewinn > 80.000 €

Seit 2024 gültige Grenzwerte.

Lagerhaltung

HF 3

Lagerkennzahlen (HF 3, Aufgabe 30).

Durchschnittlicher Lagerbestand

Ø Lagerbestand=Anfangsbestand + 12 Monatsendbestände13

Alternativ: (Anfangsbestand + Endbestand) / 2

Beispiel: 7.215 Stück / 13 = 555 Stück

Lagerumschlagshäufigkeit

Umschlagshäufigkeit=Verbrauch pro JahrØ Lagerbestand
Beispiel: 6.105 Stück / 555 Stück = 11

Durchschnittliche Lagerdauer

Ø Lagerdauer=360 TageUmschlagshäufigkeit
Beispiel: 360 / 11 = 32,73 Tage

Meldebestand

Meldebestand = Mindestbestand + (Tagesverbrauch × Beschaffungszeit)

ABC-Analyse

A-Güter: ca. 10–20 % Menge, ca. 70–80 % Wert → hoher Planungsaufwand
B-Güter: ca. 30 % Menge, ca. 15–20 % Wert
C-Güter: ca. 50–70 % Menge, ca. 5–10 % Wert → vereinfachen

Personal & Sozialversicherung

HF 3

Lohnnebenkosten, Unfallversicherung und Fristen (HF 3, Aufgabe 31).

Jahresentgelt bei unterjährigem Eintritt

Jahresentgelt = Monatsbrutto × Beschäftigungsmonate
Beispiel: 1.529,32 € × 10 Monate (März–Dez.) = 15.293,20 €

Krankenversicherung – Arbeitgeberanteil

KV-AG = Brutto × (allg. Beitragssatz / 2 + Zusatzbeitrag / 2)
Beispiel: 1.529,32 € × (14,6 % / 2 + 0,9 % / 2) = 1.529,32 € × 7,75 % = 118,52 €

Pflegeversicherung – Arbeitnehmeranteil

PV-AN = Brutto × (Beitragssatz / 2 + Kinderlosenzuschlag)
Kinderlosenzuschlag nur für kinderlose AN ab 23 Jahren; Abschläge ab dem 2. Kind
Beispiel: 1.529,32 € × (3,4 % / 2 + 0,6 %) = 1.529,32 € × 2,3 % = 35,17 €

Beitrag Berufsgenossenschaft (Unfallversicherung)

UV-Beitrag=Entgeltsumme × Gefahrklasse × Beitragsfuß1.000

Trägt allein der Arbeitgeber.

Beispiel: 400.000 € × 2 × 3,35 / 1.000 = 2.680 €

Befristung ohne Sachgrund (TzBfG)

max. 2 Jahre, innerhalb dieser Zeit max. 3 Verlängerungen

Entgeltfortzahlung & Umlagen

Entgeltfortzahlung bei Krankheit: bis 6 Wochen (nach 4 Wochen Betriebszugehörigkeit)
U1 (Krankheit): Betriebe ≤ 30 AN, Erstattung bis 80 %
U2 (Mutterschaft): alle Betriebe, Erstattung 100 %

Betriebsrat (BetrVG)

≥ 5 ständige wahlberechtigte AN, davon 3 wählbar
Wahlberechtigt ab 16 Jahren, wählbar nach 6 Monaten
Amtszeit: 4 Jahre

Erbrecht, Familienrecht & Gericht

HF 3

Zugewinnausgleich, Pflichtteil und Zuständigkeiten (HF 3, Aufgaben 24–26).

Zugewinnausgleich (gesetzlicher Güterstand)

Zugewinn = Endvermögen − Anfangsvermögen (Schenkungen/Erbschaften zählen zum Anfangsvermögen)
Ausgleichsanspruch = (höherer Zugewinn − niedrigerer Zugewinn) / 2
Beispiel: (120.000 € − 10.000 €) / 2 = 55.000 € → Endvermögen: Ehegatte 1 = 180.000 €, Ehegatte 2 = 155.000 €

Pflichtteil

Pflichtteil = ½ × gesetzlicher Erbteil (in Geld)

Pflichtteilsberechtigt: Abkömmlinge, Eltern, Ehegatten. Schenkungen der letzten 10 Jahre werden (abschmelzend) hinzugerechnet.

Beispiel: Erbmasse 1.000.000 €, Sohn wäre Alleinerbe → Pflichtteil 500.000 €

Eigenhändiges Testament

vollständig handschriftlich + Unterschrift (Ort und Datum empfohlen)

Sachliche Zuständigkeit Zivilgerichte

Amtsgericht: Streitwert bis 10.000 € (seit 01.01.2026; vorher 5.000 €)
Landgericht: Streitwert darüber

Die Übungsklausur (5.500 € → Landgericht) basiert noch auf der alten Grenze von 5.000 €.

Gerichtliches Mahnverfahren

Verzug → Mahnbescheid → (2 Wochen Widerspruchsfrist) → Vollstreckungsbescheid → Zwangsvollstreckung

Grundlage: Übungsklausuren Teil III, HF 1–3

Viel Erfolg bei der Meisterprüfung, Alisa! 💪